22.12.2020
Anfang des Weihnachtsbriefes: Liebe Freund*innen der Musikschule Fürth, liebe Mitmenschen, liebes Christkind, „DANKE für das wertvolle Noten-Buffet, das Du uns im Laufe der Jahre angerichtet hast!“, schrieb mir eine Schülerin meines Gitarrenensembles DIE SAITENSPRÜNGE. Und weiter: „Das gemeinschaftliche Futtern zu Lockdown-Zeiten hat uns sehr gefehlt, aber wir haben uns dennoch von dieser Fülle in der heurigen „Trockenzeit“ jederzeit bedienen können, um Ohren, Geist und Seele zu nähren.“

Weihnachtsbrief 2020

 


Liebe Freund*innen der Musikschule Fürth,
liebe Mitmenschen, liebes Christkind,

„DANKE für das wertvolle Noten-Buffet, das Du uns im Laufe der Jahre angerichtet hast!“, schrieb mir eine Schülerin meines Gitarrenensembles DIE SAITENSPRÜNGE.
Und weiter: „Das gemeinschaftliche Futtern zu Lockdown-Zeiten hat uns sehr gefehlt, aber wir haben uns dennoch von dieser Fülle in der heurigen „Trockenzeit“ jederzeit bedienen können, um Ohren, Geist und Seele zu nähren.“

Das Eigene gemeinsam zu mehren, um davon alleine oder gemeinsam zu zehren, dann, wenn man will oder – wie in diesem Jahr – wenn man muss, ist eine wichtige Begründung, um lebenslang zu lernen. Gemeint ist ein Lernen, das zu Können führt, Perspektiven bietet, individuell Sinn stiftet und Gemeinschaft erleben lässt.
Seit 35 Jahren musizieren die Saitensprünge Woche für Woche in der Musikschule. Viele Mitglieder sind von Anfang an dabei. Eine Mitspielerin des Ensembles unterrichtete ich sogar bereits im letzten Jahrhundert, noch vor der Gründung der Musikschule, in einem Gitarrenkurs der Volkshochschule. Jährliche Probenwochenenden in bayerischen Musikakademien und unzählige Proben und Auftritte machten aus Ensemblemitgliedern eine Gemeinschaft von Menschen, die sich gut tun. Menschen, die durch das gemeinsame Musizieren den Sinn von Gemeinschaft erleben und auch über den Lern- und Lebensraum Musikschule hinaus füreinander da sind.


Wir Lehrkräfte haben in der Vergangenheit gemeinsam mit unseren Schüler*innen „Rücklagen“ gebildet und gemeinsam mit ihnen aus ihren musikalischen Anlagen ein „Vermögen“ (= Können) erarbeitet. Jetzt ist die Zeit, diese Rücklagen zu nutzen, aber auch um die richtigen Schlüsse für die zukünftige pädagogische Arbeit zu ziehen.


„Ich hab´ das so vermisst!“ murmelte Tobias, Akkordeonist der Gruppe Vollgas, spürbar überglücklich, als wir nach Monaten der Isolation Anfang Dezember erstmals wieder gemeinsam unsere Verstärkeranlage aufbauen und musizieren durften.


Was genau hat Tobias vermisst? Ich bin mir sicher: es ist in erster Linie das „Gefühl“, aber mehr noch das konkrete Erleben, Teil einer Gemeinschaft und willkommen zu sein.
Viel wurde in diesem Jahr über systemrelevante Bereiche unserer Gesellschaft diskutiert. Hintergrund war natürlich nicht nur die nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was „lebenswichtig“ für den Fortbestand unseres Gesellschaftssystems ist, sondern die Frage, wer konkret während und nach der Pandemie besonders gefördert werden muss.


„Wo man singet, lass dich ruhig nieder / Ohne Furcht, was man im Lande glaubt / Wo man singet, wird kein Mensch beraubt / Bösewichter haben keine Lieder.“
(Johann Gottfried Seume, 1810)


Wenn das nur so einfach zu verallgemeinern wäre! Musizieren und damit auch das Lernen eines Instrumentes ist nicht deshalb per se wertvoll und förderungswürdig, weil es „gute Menschen“ hervorbringt. (Unter uns, Johann: auch unter Musiker*innen gibt es „Bösewichter“.)


Musik mag für Systeme relevant sein. Da aber auch Diktaturen die Kraft der Musik für ihre Zwecke nutzen, um Menschen zu instrumentalisieren, ist eine eingehendere Würdigung der Zusammenhänge angebracht.
Der Geiger Daniel Hope legt sich fest: „Musik ist lebensrelevant“. Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Musik ist in jedem Menschen angelegt. Jeder Mensch reagiert auf Musik, ist für Musik empfänglich, braucht Musik. Mehr oder weniger nutzt jeder Mensch die Musik, um sich musikalisch auszudrücken.


Was aber wirklich für unser demokratisches Gesellschaftssystem systemrelevant sein kann, sind Musikschulen, inklusive Musikschulen, die sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit – der musisch kulturellen Bildung – in den Dienst einer inklusiven gesellschaftlichen Entwicklung stellen. Erst durch die Umstände, unter denen Musik gelehrt und gemeinsam gemacht wird, kann Systemrelevanz entstehen.
Seit 35 Jahren stellt sich die Musikschule Fürth in den Dienst ihrer Schüler*innen und gleichzeitig in den Dienst unserer pluralistischen Gesellschaft.
Nicht nur wir, die Lehr- und Verwaltungskräfte, haben in die Rücklagen unserer Schüler*innen investiert, auch unsere Schüler*innen geben uns – gerade auch jetzt – viel zurück. Energie, die uns durchhalten lässt. Unsere Erinnerungen der vergangenen Jahre geben uns die Kraft. Wir freuen uns auf das nächste Jahr, auch wenn manches im Detail anders werden wird als geplant. Wir vertrauen auf unsere Erfahrungen, auf unsere Schüler*innen und das starke Team unserer Musikschule.


Wir, das Leitungsteam, die Lehrkräfte, die Mitarbeiter*innen und der Vorstand des gemeinnützigen Trägervereins der Musikschule, bedanken uns bei allen Menschen, die uns unterstützen, aus den Anlagen unserer Schüler*innen ein Vermögen zu machen und wünschen Ihnen ein friedliches Weihnachtsfest 2020 und ein gesundes neues Jahr 2021.

Herzlich, Ihr
Robert Wagner

Kategorien

Kontakt

0911 706 848 info@musikschule-fuerth.de