20.12.2021
Anfang des Weihnachtsbriefes: Liebe Freund*innen der Musikschule Fürth, liebe Mitmenschen, liebes Christkind,

Weihnachtsbrief 2021

 

pünktlich um 18 Uhr unterbrechen derzeit die Nutzer des Südstadtparks in Fürth ihren Spaziergang, um – coronakonform mit ausreichend Abstand – vor dem Eingang der Musikschule stimmungsvoller Adventsmusik zu lauschen. Das Strahlen in den Augen der vielen Kinder, Eltern und Großeltern aber auch der Musiker*innen erinnert eindrucksvoll daran: Musik vermag Menschen emotional zu berühren und zu verbinden.

Mit ihrem Klingenden Adventskalender gelingt es der Musikschule, ein kleines öffentliches Zeichen ihrer Relevanz für unsere Gesellschaft zu setzen.
Dies ist bitter nötig.

Das Bemühen der politisch Verantwortung Tragenden die Pandemie zu beherrschen, verlangte, Kontakte zu reduzieren. Also alle die Bereiche gesellschaftlichen Lebens herunterzufahren, die als verzichtbar galten.
Es dauerte einige Monate, bis die Politik endlich erkannte, dass Musikschulen im Ranking nicht unter „nice to have“ (Freizeit) eingeordnet werden sollten, sondern dass sie als außerschulische Bildungseinrichtungen – gerade auch im Hinblick auf die Pandemie – unser auf Bildung, Freiheit und Solidarität gründendes demokratisches System zu stützen vermögen. Diese Neubewertung ermöglichte z. B. das gemeinsame Musizieren in Gruppen und Ensembles wieder aufnehmen zu können.

In Musikschulen wird Musik gelehrt, gelernt und gemeinsam gemacht. Gesellschaftliche Relevanz erlangen Musikschulen, wenn sie im Rahmen ihrer Zuständigkeit zu einer inklusiven gesellschaftlichen Entwicklung beitragen:
wenn sie als Bildungseinrichtungen Verantwortung dafür übernehmen, die kulturelle Teilhabe aller Menschen zu gewährleisten, die individuelle Sinnfindung jedes Menschen durch konkrete Angebote unterstützen, Gemeinschaft stiftend wirken und den Sinn einer gemeinsamen Verantwortung Aller als persönlichen Mehrwert erfahrbar machen.

Immer wieder dürfen wir in der Musikschule feststellen, wie glücklich und stolz unsere Schüler*innen sind, wenn sie von ihren Lehrkräften und von ihren Mitmusiker*innen Vertrauen „geschenkt“ bekommen, wenn sie Verantwortung übernehmen dürfen und können. Wenn ihnen zugetraut wird, solistisch eine Einleitung zu gestalten, ein Solo zu spielen oder auch „nur“ ihre Aufgabe im Sinne aller und der Musik zu erfüllen.

Ein Beispiel: Kaum hoben die Behörden die Coronabeschränkungen auf und unsere Ensembles durften ab Pfingsten wieder in der Musikschule proben, trommelten wir die Musiker*innen der inklusiven Band Vollgas Connected zusammen, um gemeinsam ein Konzert zu geben. Drei Gesamtproben ließen sich vor dem Auftritt unterbringen. Bekanntes und Bewährtes sollte zur Aufführung kommen, aber auch drei für die Band neue Songs, darunter Spain von Chick Corea – ein Werk, vor dem auch viele Profi-Ensembles höchsten Respekt haben. Respekt hatten wir auch, schließlich ist es unser Ziel, jedes Stück zur Freude des Publikums und zur Freude aller Musiker*innen „amtlich“ über die Bühne zu bringen: Musik zu machen, die gespielt und gehört werden will.

Ich denke oft an diesen Konzertabend zurück. An die von Jürgen gefühlvoll gespielte Einleitung, an die Sänger*innen, die unisono mit den Bläser*innen die vertrackte Rhythmik der Melodie interpretierten, an das treibende Schlagzeug von Reimund, an das Keyboardsolo von Lucca oder das Basssolo von Michi.
Und ich frage mich – das stimmige Zusammenspiel aller Musiker*innen mit und ohne Behinderung im Ohr –, was wir als Gesellschaft anhand dieses Beispiels lernen könnten und lernen sollten in einer Zeit, in der das Wohl und Wehe unserer gesellschaftlichen Entwicklung mehr und mehr von der Bereitschaft und der Fähigkeit bestimmt wird, Verantwortung zu übernehmen.

Demokratische Systeme leben durch die Menschen, die konstruktive Kritik äußern und sich einbringen, vor allem aber durch die Menschen, die Verantwortung für ihre Haltung und ihr Verhalten übernehmen (können). Demokratische Systeme leben durch die Einrichtungen kultureller Bildung in denen der Sinn eigener Anstrengungen unmittelbar erfahren werden kann, Selbstwirksamkeit spürbar und der Umgang mit Verantwortung gelernt wird.

Wir, das Leitungsteam, die Lehrkräfte, die Mitarbeiter*innen und der Vorstand des gemeinnützigen Trägervereins der Musikschule, bedanken uns bei allen Menschen, die Verantwortung für sich, ihre Mitmenschen und für unsere demokratischen Werte übernehmen und wünschen Ihnen ein friedliches Weihnachtsfest 2021 und ein gesundes neues Jahr 2022.
 

Herzlich, Ihr
Robert Wagner

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