Die Sommerferien sind zu Ende und wir freuen uns, dass seit Dienstag, 14. September wieder Unterricht stattfindet.
Bitte beachten Sie die neuen Corona-Regelungen:

- 3G-Regel: Zutritt zur Musikschule haben nur Personen, die geimpft, genesen oder getestet sind. (Elektronischer oder schriftlicher Nachweis erforderlich!) Ausgenommen sind Kinder bis zum 6. Geburtstag und noch nicht eingeschulte Kinder sowie Schüler*innen, die regelmäßig im Rahmen des Schulbesuches getestet werden.
- Zutritt zur Musikschule nur mit medizinischer Gesichtsmaske.

Bitte lesen Sie hier sie ausführlichen Hinweise zu den geltenden Regelungen.

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04.05.2021
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nmz 5/2021

Was die Welt im Innersten zusammenhält?

Ein Kommentar von Robert Wagner zum Selbstverständnis öffentlicher Musikschulen angeschts der Corona-Pandemie

Sind Musikschulen systemrelevant und trägt die Digitalisierung hierzu bei? Robert Wagner, Schulleiter der Musikschule Fürth e.V. und Sprecher des Netzwerkes Inklusion im Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen, sucht nach Antworten und lässt an seinen Gedanken teilhaben.

„Hurra, wir sind in der Lage, ratzfatz zwischen Präsenzunterricht und Online-Coaching zu switchen!“ Zugegeben, es war ein gewaltiger finanzieller Aufwand, unsere Schule und das Kollegium digital auf- und auszurüsten. Dank iPads und einer musiktauglichen und funktionierenden Videoplattform bedarf es im Hü und Hott behördlicher Ansagen nur einer kurzen Verständigung und Lehrkraft und Schüler*in treffen sich in der Schule oder zuhause in unterrichtsähnlichen Situationen vor dem Bildschirm. Es gelingt, alte Beziehungen auf eine neue Art und Weise zu pflegen und – zum Teil überraschende – Lernfortschritte zu erzielen. Bereits nach wenigen Einheiten wandelte sich bei vielen Lehrkräften die Skepsis in Neugierde. Bei manchen Kolleg*innen sogar in Begeisterung: "Wir erreichen unsere Schüler*innen auch online!"

Alle?

Alle leider nicht. Dies erkennend, sind wir unmittelbar beim Selbstverständnis öffentlicher Musikschulen und ich bei dem Versuch einer Antwort auf die Frage, „was die Musikschulen im Innersten zusammenhält“:

Musikschulen „leben“ von der analogen Resonanz. Oder anders: Musikschulen „leben“ durch die unmittelbare Begegnung und den Austausch von Menschen oder schlicht und richtig:

Musikschulen „leben“ durch das gemeinsame Musizieren.

Hilft die Digitalisierung? Die digitale (Weiter-) Entwicklung ist auch für Musikschulen ein wichtiger Pfeiler ihrer Zukunftsfähigkeit. Die Notwendigkeit, Musikschulen umfassend digital zu erschließen und das Personal für die Nutzung der digitalen Möglichkeiten individuell fortzubilden, wurde in der Pandemie überdeutlich. Gleichzeitig aber auch, dass die Digitalisierung Auswirkungen auf das Herz der Musikschularbeit hat, auf ihr Selbstverständnis, ihren Anspruch und ihre öffentliche Aufgabe.

Positiv könnte man formulieren, dass es durch die Digitalisierung in der Musikschule Fürth gelingt, immerhin ca. 80% der Instrumental- und Vokalschüler*innen zu erreichen. Ohne Nutzung des Internets wären auch diese Schüler*innen für uns nicht erreichbar. 

Gleichzeitig diskriminiert die Digitalisierung und exkludiert viele Schüler*innen. Sie steht als Medikament nicht allen zur Verfügung und ist nicht ohne Nebenwirkungen, für die, die es einnehmen und auch nicht für die (die Musikschulen und die Gesellschaft), die es verordnen.

Das Gesamtangebot der Musikschule Fürth z.B. erreicht online nur ca. 45 % der bisherigen Nutzer*innen. Genau die Bereiche, die ein Markenkern einer öffentlich geförderten Musikschule sind, können online nicht umgesetzt werden. Elementare Musikerziehung, Kooperationen, Ensembles gelingen im Distanzbetrieb nur in wenigen Ausnahmefällen und auch das nur sehr reduziert. Gemeinsames Musizieren ist – solange die Mikrofone eingeschaltet sind und man hören kann, was die anderen spielen – aufgrund der auftretenden Latenzen nicht möglich.

„Wir werden unsere Kunst- und Kulturschaffenden nach überstandener Krise dringend brauchen: Als Brücke in die Normalität und als wertvolle Bereicherung unserer Gesellschaft," äußerte Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst vor einem Jahr am Beginn der Pandemie.

Dieser Satz drückt die Hoffnung und die Erwartung der Politik aus, dass Kultureinrichtungen, wie z.B. Musikschulen, die zunehmende soziale Spaltung unserer Gesellschaft werden wieder überbrücken können. Dass es ihnen gelingen wird, die Menschen wieder einzubeziehen, die durch die notwendigen Maßnahmen des Social Distancing auf dem Abstellgleis zwischengeparkt werden mussten: Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Menschen aus Risikogruppen oder in prekären Lebenssituationen.

Das Recht auf Teilhabe wurde für vulnerable Gruppen zu deren eigenem Schutz ausgesetzt. Wohnheime für Menschen mit Behinderung oder für Senior*innen wurden zu Festungen in die niemand hinein- und aus denen niemand herausdurfte.

Die Vereinsamung trifft viele weitere Menschen, deren soziales Umfeld weniger stabil ist und deren finanzielle Situation die Isolation verschärft. Die Menschenrechtslage hat sich auch in Deutschland dramatisch verschlechtert. Der faktische Entzug der Teilhabe an Bildung und am Leben in der Gemeinschaft vertieft den Riss in unserer Gesellschaft.

So gilt es, die vermeintlichen „Erfolge“ der Digitalisierung richtig einzusortieren. In der Pandemie und vor allem auch nach der Pandemie:

Die Digitalisierung ist kein isoliert zu verfolgendes Ziel, kein Selbstzweck, sondern muss dem Selbstverständnis der Musikschulen zuarbeiten.

Die Gemeinwohlorientierung der Musikschulen, die musikalische Qualität der Arbeitsergebnisse, die Bereicherung des kulturellen Lebens und die persönlichkeitsbildende und gemeinschaftsstiftende Wirkung ihrer Arbeit sind das Fundament dieses Selbstverständnisses. Sie begründen und rechtfertigen die öffentliche Förderung öffentlicher Musikschulen.

Das Digitale dient dem Menschen und darf ihn und sein Verhalten nicht bestimmen. In keinem Fall darf es den Menschen von dem entfremden, was den Menschen als soziales Wesen ausmacht. Die Digitalisierung ist ein Werkzeug, das manchen hilft, andere aber (noch) ausschließt. Gelingt es, Barrieren abzubauen, die einer Teilhabe im Wege stehen oder auch die Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks weiterzuentwickeln, sei sie willkommen.

Ich komme in aller Bescheidenheit zum Schluss: Das gemeinsame Musizieren ist, was die Musikschulen im Innersten zusammenhält. Es sind die Musikschulen, die als Teil einer inklusiven gesellschaftlichen Entwicklung wirken und beitragen dazu, dass die Welt im Innersten zusammenhält.

 

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