musikschule-fuerth.de

Weil Können Sinn macht

Warum will der Mensch lernen?

Warum soll der Mensch lernen?

Diesen und anderen Fragen widmet sich Schulleiter Robert Wagner in seinem Artikel "...weil Können Sinn macht", erschienen in unserem Jahresheft 2012/2013. Hier ein kurzer Auszug daraus:

"... Nur wenn die Musiklehrer wissen, was ihre Schüler motiviert, warum sie Musik machen und was sie mit ihrem Können anfangen wollen, können die Lehrer ihren Unterricht (die Inhalte, das Tempo, etc.) perfekt auf die Schüler anpassen und auch selbst weitere geeignete Gelegenheiten anbieten, Können anzuwenden oder (mit-) zu teilen (z.B. Vorspiele, Probenwochenenden, etc.)"

Der vollständige Artikel als pdf-Download (814 KB) > 

Deshalb fragten wir unsere Schüler: 

"Was fängst Du mit Deinem musikalischen Können an?"

Bereits in unserem Jahresheft 2012/2013 veröffentlichten wir einige Kernaussagen. Nachfolgend die vollständigen Antworten unserer Schüler:

Gisela Hofmeister, 52 Jahre, Klarinette, Gitarrenensemble

Saitensprünge

Mein Leben ohne Musik könnte ich mir gar nicht vorstellen. Ob in meiner Arbeitsstelle im Kindergarten, mit Freunden oder in der Familie, meine Begeisterung für die Musik kommt häufig zum Einsatz. Unser Musikschulensemble, „ die Saitensprünge“ wird gemeinsam immer vielseitiger, reifer (älter bis alt) und unsere Kunst ist beim reiferen Publikum sehr beliebt. Wir spielen immer wieder im Altenheim und wurden sogar für eine Seniorenmesse angefragt. 

In meiner Pfarrei gestalte ich mit Freunden regelmäßig eine Taizéandacht mit Flöten, Gitarren und Gesängen.

Aber wie ja alle, die mich kennen, wissen, ist Musizieren für mich vor allem auch Üben mit Gunther. Wir spielen gemeinsam Gitarre, oder er begleitet mich mit Gitarre zur Klarinette. Wir spielen zu Festtagen in der Kirche, bei Geburtstagen und Festen. Wenn er am Ende bemerkt: „ Heute waren wir gut“, kann ich zufrieden sein.

Angelika Dolensky, 45 Jahre, Verwaltungsfachangestellte, Gitarrenensemble Saitensprünge

Schon als Kind war ich begeistert, wenn eine Band live gespielt hat und mein Wunsch war einmal auch Gitarre spielen zu können. Heute bringe ich meine eigene Gitarre zum Klingen. Das bringt mir nicht nur viel Spass beim Üben, sondern auch die Fähigkeit mit Freunden und Musikern gemeinsam etwas Musikalisches auf die Beine zu stellen und vorzutragen (Altenheim, private Feiern, Musikschule). Mein Können ist sinnvoll als Grundstock für weitere Experimente und Herausforderungen – und ich bin jede Woche aufs Neue gespannt, wo mich die musikalische Reise als Nächstes hinbringt. Das musikalische Erlebnis ist Balsam für meinen Körper und meine Seele.

Martin Wenger, 29 Jahre, Stimmbildung, Gitarre, Chor

Mein ganzes Leben ist seit frühester Kindheit schon durch Musizieren geprägt worden. Meine musikalischen Erfahrungen und meine Verbindung zur Musikschule Fürth wären schon sehr lange. Durch die vielen Auftritte und dem damit verbundenen Kontakt zu meist auch mir fremden Menschen ist mir jegliche "menschliche natürliche Scheu" abtrainiert ... und ich kann sagen ich trete gerne auf und nutze jede Gelegenheit (…)

Ich mache Musik, weil ich immer, wenn ich musiziere, sehr gut entspannen kann und die Zeit für mich bleibt. Es erfüllt mich mit einem erhabenen Gefühl und macht mich sehr zufrieden. Immer und immer wieder wenn ich auf meinen Instrumenten spiele. Es ist ein "verlässliches herbeiführbares" Glücksgefühl.

Baldur Tomandl, 76 Jahre, Rentner, Gitarrenensemble Saitensprünge

Ich wage ja kaum, mich an der Umfrage zu beteiligen. Für sie wird bereits Können vorausgesetzt, dabei lerne ich noch, immer noch – aber schon lange. Ich bin schon so weit, dass ich regelmäßig mit Leuten zusammentreffen kann um zu musizieren und ab und zu auch um aufzutreten. Das macht Spaß. Und auch mir selbst etwas vorspielen, sentimental oder lustig, wie es gerade gefällt, kann ich. Und Läufe immer wieder üben, bis sie endlich gelingen, Rhythmen schlagen, bis sie so sitzen, wie sie sollen, mache ich, manchmal Tage lang, voller Geduld und gerne. Und bei all dem sind trübe Gedanken ausgeschaltet. Ja, mein Können macht für mich Sinn.

Livia Hofmann, 15 Jahre, Querflöte, Klavier,
Querflötenensemble IQ

Ich spiele seit der 3. Klasse Querflöte bei Daniela Holweg und das, seit so vielen Jahren, immer noch so gerne. Zur Zeit habe ich Unterricht mit meinen Freunden Klara und Emma. Außerdem spielen wir zusammen im Querflötenensemble IQ. Seit zwei Jahren auch Klavier bei Alice Graf. · Bei welchen Gelegenheiten mache ich Musik? Ich mache Musik wann immer ich kann, Lust und die Zeit dazu habe.

  • Wo mache ich Musik? Ich spiele in einer selbstgegründeten Band und manchmal auch bei Schulgottesdiensten, denn meine jetzige Klassenlehrerin ist selber sehr musikfreudig.
  • Mit wem mache ich Musik? Zusammen mit meinen Freunden Klara und Emma habe ich montags eine Stunde Querflötenunterricht mit sehr viel Spaß aber auch Lernbereitschaft. Freitags treffen wir uns als IQ mit unseren Freunden und spielen viele vor allem klassische Stücke aber auch andere.
  • Wer meine Musik hört? Nun, eine einfache Antwort wäre Freunde, Familie, Bekannte, ... aber ich glaube es sind einfach Leute, die Musik lieben und diese auch genießen wollen. Warum mache ich Musik? Ja, warum? Weil ich die Musik liebe und weil einfach das Miteinander Spaß macht. Ich glaube auch, weil Musik verbindet. Sie verbindet uns Menschen und lässt uns auch mal für einen Moment unsere Sorgen vergessen, damit wir Spaß haben können. Musik verbindet, um die Leute an unserer Musik teilhaben zu lassen und ihnen zu sagen, dass jeder Mensch einzigartig und etwas Besonderes ist. Musik verbindet, deshalb fange ich etwas mit meinem musikalischem Können an und, weil ich zumindest für einen kurzen Augenblick etwas verändern möchte mit der/ meiner Musik.

Leonhard Ley, 16 Jahre, Down-Syndrom, Blockflöte,
Ensemble Patchwork

Wo beginnt Können? Mit der Geburt.

Auf welchem Weg erreicht der Mensch Können?
In dem man das Leben lebt.

Wo in und außerhalb der Musikschule machst du Musik ?
Zu Hause & auf Familienfesten.

Bei welchen Gelegenheiten musizierst du?
Geburtstagen, Weihnachten, Goldene Hochzeit meiner Großeltern.

Mit wem musizierst du? mit meiner Family

Wer hört deine Musik ? Family&Friends

Warum machst du Musik? Musik ist Poesie

Winfried Reichert, 80 Jahre, Saxofonsensemble Saxerei (beruflich zuletzt Schulleiter an einem Gymnasium in Nürnberg)

Zur Musik:

  • in der Jugend: hörend und praktizierend (vornehmlich Klassik): Klavier, Gitarre, Chor
  • im Alter: (mit 64) Saxofonunterricht bei Peter Athmann. Peter vermittelte erste Schritte, vor allem aber Freude am Instrument und Motivation zum Lernen. Weiterer Unterricht u.a. bei T. Schöpker. Daneben: Musizieren in einer Combo mit Spiel in privatem Kreis und öffentlich

zur "Warum-Frage"

Musizieren und dazu gehörendes Üben sind für mich tägliche Notwendigkeiten. Ich brauche das Spiel und erlebe Musik auch als Herausforderung.

Das wöchentliche Zusammenspiel im Ensemble möchte ich nicht missen, vor allem nicht in trüben Jahreszeiten.

Ich freue mich, wenn ich spröde Passagen meistern oder Grenzen mit Hilfe eines verständigen Lehrers überwinden kann.

Larissa Weber, 19 Jahre, Stimmbildung, Chor

  • Wo ( in und außerhalb der Musikschule) machst du Musik? Innerhalb: Gesangsunterricht, Jugendchor, Gleechor; außerhalb: Singen, eigentlich überall.
  • Bei welchen Gelegenheiten musizierst du?
    Singen, eigentlich immer wenn Ich nicht gerade schlafe
  • Mit wem musizierst du?
    In der Musikschule, mit den anderen aus den Chören, Ensembles etc., zu hause, entweder alleine oder mit Freunden
  • Wer hört Deine Musik? Eltern, Freunde etc.
  • Warum machst du Musik?  Weil Musik für mich die beste Ablenkung von allen Sorgen, Stress etc. ist und einfach nur riesig Spaß macht.

Renate Wiedemann, 64 Jahre, Gitarre, Gitarrenensemble Saitensprünge

Ich bin seit einem Dreivierteljahr im Gitarrenensemble von Robert Wagner und gehöre zur nicht seltenen Spezies 60+. Ansonsten treffe ich mich jede Woche mit einer Freundin und wir singen und begleiten uns dabei. In den letzten Jahren sind wir öfters im Abendgottesdienst von St. Martin aufgetreten, wobei wir uns die Lieder selbst aussuchen, passend zum Thema des Gottesdienstes. Meist sind es alte Rocksongs oder Gospels, oft auf Englisch. Wir haben auch bei der Faschingsfeier eines Chors die Lieder begleitet.

Höhepunkte waren sicher die Bitte eines Brautpaares, ihre Hochzeit musikalisch zu gestalten, und die runde Geburtstagsfeier einer Freundin. Bei letzterer Gelegenheit spielten wir ausschließlich von mir umgedichtete Schlager und Oldies.

Bei uns stand mehr das Singen und der Text im Vordergrund, aber irgendwann wollten wir auch von der Begleitung her mehr Abwechslung. Deshalb nehmen wir dieses Jahr auch wieder einmal Unterricht zu zweit.

Was mich motiviert?

Daß meine Freundin und ich auf vergleichbarem Niveau musizieren, mal die eine was besser kann, dann die andere. Wir nehmen öfter alte Sachen und versuchen, sie neu zu gestalten. Gelegentlich wird daraus eine Jam-Session, wenn der Funke überspringt. Selber musizieren ist einfach viel spannender als CD-Hören, auch wenn man mal einen schlechten Tag hat. Auch das Umschreiben von Texten (z. B. „Sport ist Mord“ nach der Melodie „Life is Life“) ergibt sich manchmal aus so einer Situation. Bei meinen Geburtstagsparties wird grundsätzlich gesungen und mit Gitarre, inzwischen auch Altflöte, musiziert. Das ist mir – und ich glaube auch den Beteiligten – wichtiger als Kuchen.

Das Ensemblespiel, das ich zum erstenmal in meinem Leben mache, ist eine echte Herausforderung. Das ist gut für die kleinen grauen Zellen und hält flexibel. Hier ist natürlich das Können der anderen ungleich größer, aber macht nichts. Was mich noch motiviert: klare Anweisung und Erklärung, öfter was Neues, aber die Wiederholung nicht vergessen, und ganz besonders: Humor!

Damit bewältigt man manche Frustration. Mit ein paar lockeren Bemerkungen, von meiner Freundin wie vom Robert und der Gruppe, ist der Tag schon wieder ein bißchen leichter geworden.

Soweit mein Roman zum Thema, was ich mit meinem musikalischen (Un)können anfange

Rebecca Wimberger, 8 Jahre, Violine

Ich spiele Geige mit meiner Mama und den anderen Kindern und ihren Eltern im Suzuki-Spielkreis von Herrn Richter. Wir treten oft auf. Manchmal spiele ich auch für meine Großeltern und meine Cousinen. Ich mag die Gruppenstunde und das Spielen im Konzertsaal. Ich gehe gern in die Musikschule, weil sie so schön im Park liegt. Meinen Lehrer kann ich sehr gut leiden. Außerdem höre ich gerne die CDs zur Musikgeschichte für Kinder. Da finde ich es schön, wenn ich auch selbst etwas von einem Instrument verstehe. Musizieren macht einfach Freude. Aus meiner Klasse spielt niemand Geige. Es ist etwas Besonderes.

Anja (hinten links im Bild beim Youth Music Festival in Italien)

Anja Beer, 18 Jahre, Querflöte

Ich mache Musik, weil mir das Musizieren unglaublichen Spaß macht und ich beim Musizieren auch mal dem Alltag entfliehen kann. Auch wenn ich mich beim Üben meist auf die Noten konzentriere, schweifen meine Gedanken manchmal ab. Ist ja nicht schlimm, oder? Üben ist für mich kein Druck und eigentlich auch nicht lästig, ich mach’s einfach gerne und mein Ehrgeiz hat sich bisher immer gelohnt. Das Schönste für mich persönlich ist, mit anderen zu musizieren. Nicht nur wegen der vielen Instrumente sondern auch wegen der unterschiedlichen Menschen; und da ich finde, dass Musik ein Ausdrucksmittel der Persönlichkeit eines Menschen ist, ist es verblüffend, dass obwohl alle das gleiche Stück, vielleicht sogar dieselbe Melodie spielen, jeder auf seine Art und Weise musiziert. Musik ist für mich Kreativität, Inspiration und Leidenschaft.

Dr. Welf Raschke, 71 Jahre, Arzt, Saxofon, Saxofonensemble Saxerei

Mein (kleines bißchen) musikalisches Können dient nur meiner Lebensfreude.

Erst mit 60 fand ich Zeit für den alten Traum, der in der Kindheit viel zu teuer und nur durch die Schaufensterscheibe träumbar war. Jetzt sind das Spiel in der Gruppe und unsere kleinen Auftritte ein neuer Teil meines Lebens. Und der Begeisterungsfunke ist schnell auf die kleinen Enkel übergesprungen, eine geht nun auch schon eifrig in die Musikschule; wenn beide manchmal sogar zu meinem Üben tanzen und toben, schaukeln wir uns gegenseitig hoch, dann wird`s zum reinen Glück.

Das Foto zeigt Jan mit Papa Wolfgang beim Bardentreffen 2011 in Nürnberg

Jan Clemens, 16 Jahre, Autist, Gitarre, Ensemble „Patchwork“

Wo mache ich Musik:

  • im Musikunterricht der Schule (Blockflöte und Gitarre)
  • bei der Veehharfengruppe von Fam. Schober in der Hallemann Schule (Veeh-Harfe, Gitarre)
  • in der Musikschule Fürth bei Frau Meyer-Loew (Konzertgitarre)
  • beim Basti in der Musikschule M&G in Siegelsdorf (Schlagzeug)
  • zu Hause im eigenen Zimmer (akustische Gitarre, E-Gitarre
    (auch mit Talk-Box), Veeh-Harfe
  • zu Hause im Musik-Keller mit Papa (Band "Papus": Schlagzeug,
    Bass-E-Gitarre, Keyboard, E-Gitarre)

Bei welchen Gelegenheiten musiziere ich:

  • beim Üben zu Hause
  • beim Unterricht in der Musikschule Fürth und bei M&G in Siegelsdorf
  • beim Klassenvorspiel und der Weihnachtsfeier der Musikschule Fürth
  • beim Tag der offenen Tür in der Musikschule M&G
  • bei Feiern im Freundes- Bekannten- und Familienkreis
  • auf dem Bardentreffen Nürnberg 2011 als Straßenmusiker (mit Gitarre als Band "Papus" mit Papa)
  • bei kirchlichen und sonstigen Anlässen mit der Veeh-Harfe -Gruppe (z.B. Lebenshilfe Gottesdienste, Ausstellungseröffnungen, Regionaltreffen der Veeh-Harfenspieler usw.)
  • bei Schulfesten
  • bei Schullandheimaufenthalten, die in Kooperation mit der Musikschule Fürth und der Hallemannschule stattfinden (z.B. in Altenheimen, anderen Musikschulen vor Ort des Aufenthaltes, Kurpromenaden usw.)

Mit wem musiziere ich:

  • mit meinen Musiklehrern (Fr. Meyer-Loew: Konzertgitarre, "Basti": Schlagzeug)
  • mit anderen Musikschülern der Musikschule Fürth (z.B. Patchwork-Gruppe der Musikschule)
  • mit der Veeh-Harfen-Gruppe von Fam. Schober
  • mit Papa: als Band "Papus"
  • mit Papa und Mama: als Trio mit Veeh-Harfe und Gitarre
  • mit den Blue Frogs: bei Feiern der Hallemannschule und manchmal auch woanders
  • mit meinem Onkel und meiner Tante: Weihnachtsmusik
  • mit Freunden und Bekannten unserer Familie, gelegentlich wenn diese bei uns zu Besuch sind

Wer hört meine Musik:

  • Freunde und Bekannte
  • Familie
  • die Kirchenbesucher

  • Leute auf der Straße beim Bardentreffen
  • Gäste bei Feiern, öffentlichen Auftritten

Warum mache ich Musik:

Musikmachen macht mir Spaß; ich bekomme gerne Applaus, wenn ich für andere vorspiele

 

Kommentar der Eltern Claudia und Wolfgang Clemens

Jan macht sehr gerne Musik mit unterschiedlichen Instrumenten und freut sich auf jede Gelegenheit, bei der er dies vor Publikum (aller Art) vorstellen kann. Als Autist mit geistiger Einschränkung kann er in vielen Bereichen mit anderen Jugendlichen nicht mithalten und steht außen vor. Ein Instrument spielt jedoch nicht jeder - im musikalischen Bereich kann er etwas, was manch anderer Jugendliche nicht kann. Insbesondere durch sein musikalisches Können, erhält er Anerkennung, die wiederum sein Selbstbewußtsein stärkt.

Alleine spielt er am liebsten mit der E-Gitarre, dabei kann er "abrocken" oder einfach für sich improvisieren, z.B. mit der neuen "Talk-Box". Am liebsten spielt er aber zusammen mit seinem Papa (als" Hausband Papus" ) mit Gitarre oder Schlagzeug. Mittlerweile kann er auch Noten lesen, damit haben sich viele neue Möglichkeiten eröffnet. Beim Musizieren kann er auch gut in einer Gruppe sein und mitmachen, wobei er sonst eher für sich alleine ist.

Lara Fischer, 11 Jahre, Klavier


Ich spiele gerne meiner Familie und meinen Freunden vor. Z.B habe ich auch schon auf Familien Festen oder an Weihnachten vor gespielt. Ich spiele in der Musikschule und zu Hause Klavier. Manchmal spiele ich auf Familien Festen und an Weihnachten und natürlich musiziere ich zu Hause. Ich musiziere alleine. Meine Familie , Verwandten und Freunde hören meine Musik. Ich mache Musik weil es einfach so viel Spaß macht und ich dadurch allen zeigen kann wofür ich übe und meine Musik allen zeigen kann.

Das Bild stammt vom Metropolmarathon 2011, die Saxerei hat beim Gemeindefest von St. Paul gespielt, ich bin die Dame mit dem Cowboyhut.

Gabi Papenberg, 53 Jahre, Hochbauingenieur im Staatlichen Bauamt Nürnberg, Saxofonensemble Saxerei

Ich mache in der Musikschule Musik und zwar mit meinem geliebten Tenorsaxofon. Ich habe Einzelunterricht und spiele in der Saxerei. Einzelunterricht habe ich, um mit meinem musikalischen Können möglichst schnell weiterzukommen, was jedoch manchmal am mangelnden Üben scheitert. Im Ensemble spiele ich, weil das Spiel mit Anderen zusammen ganz andere Herausforderungen bietet, als das Spielen alleine, es einfach Spaß macht, ein Teil des ganzen Klangs zu sein und weil wir eine super Truppe sind, die in Tobias einen kompetenten und geduldigen Leiter hat. Highlights sind natürlich die Auftritte beim Marathon, auf dem Weihnachtsmarkt und andere Einsätze. Man möchte ja sein Können auch mal vor Publikum präsentieren. Zu Hause hören meine Musik mehr oder weniger zwangsweise unsere Nachbarn aus der anderen Doppelhaushälfte. Sie können damit gut leben. Außerdem hören sie mich dann auch in den Gottesdiensten, in denen ich in der Lobpreisgruppe meines Mannes spiele. Ich wollte mich schon lange gerne in der musikalischen Gestaltung unserer Gottesdienste einbringen, zum Singen fehlen mir aber ein bißchen die stimmlichen Voraussetzungen, spätestens beim C ist Ende meines Tonumfangs. So bin ich jetzt sehr dankbar, dass ich mit dem Saxofon unsere Musik bereichern kann und mit zunehmenden Improvisationskenntnissen kann ich nun doch wieder die Stimme einsetzen, da ich jetzt oft spontan eine zweite Stimme singen kann. Ich mache Musik, weil es Spaß macht, s.o. Aber auch als Gehirntraining, ich denke Notenlesen, Zusammenspielen und Improvisieren halten den Geist fit, was man an unseren Saxereimitgliedern jenseits der 70 oder auch 80 sehen und hören kann.

Annika Essigkrug, 17 Jahre, Abiturientin, Querflöte, Klavier, Querflötenensemble Pfiffikus, Pop-Band „Gnibbom KA“

Was ich mit meinem musikalischen Können anfange?

Vieles.

Zum Beispiel im Rhythmus der Computertastatur Kaugummikauen. Was ich damit sagen will?

Dass ich vielleicht weder das musikalische Multitalent, noch der rhythmische Überflieger, geschweige denn eine musikalische Koryphäe bin. Dass ich trotzdem Musik mache. Oft und viel. Dass Musik das, was wir Alltag nennen, immer wieder bestimmt, auflockert oder in andere Bahnen lenkt.

Was ich außer Kaugummikauen noch mit meinem musikalischen Können anfange? Vieles.

So hat es mich im weitesten Sinne in die Welt gebracht und ich nehme es auf dem Weg durch die Welt dafür auch gerne als Handgebäck mit. So schwer wiegt es ja nicht: Manchmal eine Querflöte, manchmal einfach nur die Freude am Musizieren und das Stimmorgan.

In die Welt gebracht hat die Musik mich auf vielen Wegen. Sie hat mich verschiedensten Menschen bekannt gemacht-vor allem auf eine ganz neue und bereichernde Art und Weise mit Menschen mit Behinderung. Hat mir Perspektivwechsel ermöglicht, von der „1. Geige“ zur dritten Flöte, von Lernender zur Lehrenden, von traurig ernster Barockmusik bis zum fröhlich, unvermeidlichen „Lemontree“.

Kleine und große, ich möchte fast behaupten viele Konzerterfahrungen stellen heute ein kleines Geschöpf ohne Scheu dem Publikum gegenüber und lassen es sich selbst vertrauen- nicht nur bei Konzerten, sondern zum Beispiel auch bei Referaten.

Musik hat mir einen Terminkalender verschafft (siehe „viele Konzerterfahrungen“…).

Außerdem hat die Musik mich meinem Berufswunsch (im Moment besuche ich noch für 2 Monate das Melanchthongymnasium Nürnberg) ein bisschen näher gebracht. Ich begann durch sie und das erlebnisreiche Zusammenspielen mit andersartigen, aber so oft unglaublich genialistischen Menschen mit Behinderung erstmals an ein Studium der Sonderpädagogik zu denken, begann als Fernziel eine Ausbildung zur Musiktherapeutin ins Auge zu fassen.

Diese Erfahrungen und Bereicherungen in zusammengefalteten Noten in mein Köfferchen gepackt reisen nun auch mit mir liebend gerne und viel durch die Welt- im metaphorischen Sinne. Zu Gemeinschaftsstunden an Bahngleisen nach einer abgeklungenen Feier, zum Sternenhimmel besingen. Und am nächsten Morgen in reichlich unausgeschlafener Weise in die ungeordneten Reihen meines kleinen Schulorchesters an den Platz der Querflötistin-zur Sonderprobe. Ein paar Tage später reist er mit mir in das Haus meiner Klassenkameradin, neben den Flügel im Wohnzimmer: In meinem Terminkalender steht: Probe für Solo beim Kammerkonzert Melanchthongymnasium. Dann weiter zu einem Lagerfeuer in der Musikschule, wo man immer wieder aus Band- (Gnibbom KA) oder Ensemblemitglieder (Pfiffikus) trifft.

Ich reise aber auch mit ganz anderen Zielen und das sind für mich die schönsten Ausflüge. Dann wenn ich nach einem anstrengenden Tag schon bei Dämmerung ausgelaugt nach Hause komme, setze ich mich an das Klavier. Und auch wenn ich erst sehr kurz und auf dem Stadium eines Sechsjährigen spiele, kann ich mich dann entspannen, erst durch Üben, irgendwann durch die Faszination der sozusagen improvisierten Töne, die einfach so für mich aus dem Instrument quillen.

Wenn ich eine Reise in das Land der guten Laune brauche, dann: Pack die Querflöte aus! Denn ich habe feststellen dürfen, dass man beim Querflötespielen ganz pragmatisch betrachtet den Mund zu einem Lächeln verziehen MUSS. Und genauso wie man lacht, wenn man glücklich ist, wird man auch glücklich, wenn man lacht… Für Aggressionen aller Arten hält schließlich eine kleine afrikanische Trommel mein nicht vorhandenes Rhythmusgefühl aus.

Mein Notenköfferchen nahm ich aber auch so mit auf eine Reise – eine echte meine ich. Denn als ich für meine große Reise über den Atlantik einen alten Segler bestieg, befand sich auch der kleine schwarze Kasten mit der silbrigen Flöte in meinem Seesack. So konnte ich mit vielen Gleichgesinnten immer wieder unsere kleinen Feierlichkeiten, wie Weihnachten, oder unsere Ankunft, bereichern – das hoffe ich zu mindestens.

Abschließen kann man mit einer kleinen Conclusio: Die besagt, dass ich Musik mache, um negativ geladene Emotionen in positive zu verwandeln, um neuen Menschen zu begegnen, denen ich anders wahrscheinlich nicht begegnen würde, um mich ausgeglichener zu fühlen und natürlich um immer wieder Spaß mit ihr zu haben.

Einer Conclusio, die feststellt, dass mich Musik in jede Situation begleitet, in der ich sie haben möchte. Manchmal auch in unpassende, dann wenn einen Vivaldis Vier Jahreszeiten dazu treiben, den Matheunterricht nachhaltig zu stören.

Die feststellt, dass ich mit den Leuten zusammen musiziere, singe oder trommle, die Lust dazu haben, mit meiner Familie, mit Freunden…bis jetzt noch selten mit Fremden, die zu Freunden werden, aber ich hoffe das kommt noch ein bisschen mit weiteren Reisen.

Und zuletzt stelle ich fest, dass ich zu vielen Gelegenheiten Töne entsende-außer an Weihnachten.

Emma Schmitzer, 13 Jahre, Querflöte, Querflötenensemble IQ

Für mich bedeutet musizieren Spaß.

Lustig ist es, wenn ich mit IQ, im Schulorchester, mit meiner Familie oder in meiner Gemeinde Musik mache.          

Öde Nachmittage gibt es nicht, denn Querflöte üben ist VIEL besser, als Latein zu lernen.

Tanten, Onkel und andere Verwandte sind froh über ein kleines Lied.

Emma

Katrin Fetzer, 47 Jahre, Stadtplanerin, tätig als Assistentin/Sekretärin in einem Ingenieurbüro, Mama von Felizitas Fetzer und


Felizitas Fetzer: 11 Jahre, 5. Klasse 

Beide Suzuki-Geige

Wir spielen in der Musikschule bei Frank Richter in der Suzuki-Geigengruppe jetzt im 6. Jahr. Wir spielen außer in der Musikschule bei Auftritten und Workshops des Suzuki-Spielkreises auch

Außerhalb spielen wir privat für uns innerhalb der Familie für die Verwandtschaft bei Besuchen und Familienfesten und ab und an in einem Altersheim, wo wir unsere Tante besuchen. Den Leuten im Altersheim macht unser Spielen so einen großen Eindruck, dass unsere Tante, obwohl sie als dement gilt, anderen davon erzählt, dass sie von der Feli mit der Geige besucht wird.

Musik ist einfach gut. Feli macht Musik, weil die Mama das so will. Sie ist aber auch stolz, dass sie das kann. Der Spielkreis mit den vielen Freunden ist sowieso immer toll. Für die Kinder und die Erwachsenen: die Gemeinschaft der Geigeneltern ist inzwischen ein richtiger Freundeskreis geworden, den wir nicht missen möchten.

Wenn ich an meine eigene Musikschule zurückdenke, ich habe in der DDR in einer staatlichen Musikschule ca. 8 Jahre klassische Gitarre gelernt, bin ich heilfroh, dass diese strengen Zeiten vorbei sind. In jedem Schuljahr gab es ein Programm klassischer Stücke zu absolvieren und am Ende mußte man solistisch beweisen, dass man bestimmte Techniken jetzt erletnt hat. Ich bin froh, dass die Fürther Musikschule so gar nicht verstaubt und streng ist und dass jeglicher Wettbewerbscharakter fehlt. Dafür gibt es viele schöne Auftrittsmöglichkeiten wie das Suzuki-Faschingskonzert oder das Sommerfest oder den Tag der offenen Tür oder die Konzerte in den Altersheimen. Die Kinder sind stolz, dass sie gemeinsam etwas können und wir Mamas sind stolz, dass wir mitmachen dürfen. Es gibt hier so viele Sachen, bei denen ich sofort mitmachen möchte. Das Singen von gehobener Lagerfeuerliteratur am Freitagabend wäre genau das, was ich als Jugendliche gebraucht hätte, irgenwann setze ich mich da noch mal mit rein ... So viele tolle Ensembles gibt es beim Tag der offenen Tür zu hören. Das Musical von Mutter und Tochter Opp sehen wir uns meist an, weil ein Nachbarsmädchen oft mitspielt. Da staunen wir immer, was in ein paar Tagen aus dem Nichts erschaffen wird, nur mit der Phantasie der Kinder und dem Geschick der Leiterinnen.

Und ich finde es so toll, dass ihr Menschen jeden Alters und Leute mit Handicaps mitmachen laßt. Das ist so klasse. Macht weiter so!

Ulrike Wildner (rechts) mit Tochter Brigitte

Ulrike Wildner, 55 Jahre, Wirtschaftspädagogin - Vollzeitmama – Ehrenamtliche, Gitarrenensemble Saitensprünge

Als ich mich als junges Mädchen heftig mit meinen Eltern gestritten hatte, setzte ich mich auf den Teppich und sang eine Stunde vor mich hin. Danach konnte ich gelassen meinen Standpunkt erklären und den Streit beenden. Als ein enger Freund der Familie gestorben war, setzte sich meine Tochter ans Klavier und konnte nach einer Weile mit dem Weinen aufhören. Nachdem ich mit meiner dementen Schwiegermutter alte Lieder gesungen und mit der Gitarre dazu geschrubbt hatte, wandelte sich ihre Stimmung von „Ich halte das nicht mehr aus im Heim!“ zu „Das Leben ist doch schön!“ Das ist der Not-wendige Sinn der Musik.

(Kurzversion davon: Manchmal ist die Musik Not-wendig und Musizieren beruhigt, lässt frei atmen, weht den Frust weg.)

Meistens ist die Musik so Sinn-frei wie einen-Roman-lesen, wandern gehen, Tulpen pflanzen, Pralinen essen, Schmusen, Mensch-ärgere-dich-spielen. Musik macht zwar nicht den Bauch, aber die Seele satt und erzeugt die gleiche Stimmung entspannter Wachheit sowohl bei Musikern als auch bei den Zuhörern. Mein Musizieren in der Musikschule, mit Freunden und Verwandtschaft, mit meiner Tochter, mit meinem Pflegekind, in der Kirche, macht einfach nur Freude, heißt lebendig sein, schafft Entwicklungsmöglichkeiten und eine tiefere Ebene der Verbundenheit. Eine Welt ohne Musik – unvorstellbar!

Brigitte Wildner, 22 Jahre, Studentin, Klavier

Musik ist eigentlich etwas sehr Seltsames. Physikalisch gesehen erzeugt sie Druckwellen in der Luft. Praktisch gesehen kostet sie viel Zeit und bringt im Normalfall weder Geld noch Ruhm ein. Dennoch praktizieren sie auf der ganzen Welt Millionen oder sogar Milliarden von Menschen, unabhängig von Schicht, Kultur und Sprache, jeder auf seine eigene Art und Weise.

Ich selbst spiele bei Leonid Tarnopolskyy schon seit über zehn Jahren Klavier, primär weil es mir Spaß macht. Weil ich damit Stimmungen erzeugen kann, Gemeinschaften bilden und dabei der Alltagsstress wie von selbst von mir abfällt. Weil ich auch nach so vielen Jahren ohne übertriebenen Aufwand noch etwas dazulernen kann. Weil Musik gut tut und irgendetwas Undefinierbares in uns auslöst, weswegen die Menschheit selbst in Tausenden von Jahren (wenn es sie da noch gibt) noch Musik machen wird.

Hannah Schott, 20 Jahre, Studentin, Stimmbildung, Chor

Mein Name ist Hannah Schott. Ich bin 20 Jahre alt, studiere Psychologie in Erlangen und nehme seit 7 Jahren Gesangsunterricht an der Musikschule Fürth. Seit einem

Jahr singe ich zudem noch in dem Ensemble Glee-Chor unter der Leitung von Hayo Keckeis, der auch mein Gesangslehrer ist. Ich singe aber nicht nur in der Musikschule. Seit 4 Jahren bin ich Leadsängerin der Rock-Band Living Theory, die ich mit 3 guten Freunden gegründet habe. Wir treffen uns einmal in der Woche zum proben und Lieder schreiben und hatten auch schon einige Auftritte in der Region, unter anderem im E-Werk in Erlangen. Unser Publikum besteht vor allem aus unseren Freunden, es sind aber auch schon einige neue Fans dazu gekommen.

Gesungen habe ich schon immer sehr gerne, vor allem weil Musik in meiner Familie sehr wichtig ist. Immer wieder erstaunt bin ich aber, wenn ich mir frühere Aufnahmen von mir anhöre und bemerke, wie weit ich durch den Gesangsunterricht gekommen bin und wie viel ich in diesen 7 Jahren erreicht habe. Musik ist aus meinem Leben einfach nicht mehr wegzudenken. Ob es nun selbst geschriebene Lieder sind, die ich mit der Band performe, oder ob ich Lieder auf meine Art covere, das Singen ist ein fester Bestandteil meines Lebens und ich freue mich auf jede neue Herausforderung.